Horst Eckel, WM-Held von 1954, wird 80 - auch in Pforzheim Spuren hinterlassen
Beim „Wunder von Bern“ war Horst Eckel mit 22 Jahren der Jüngste, der historische WM-Triumph begleitet sein Leben bis heute. Am heutigen Mittwoch feiert der Fußball-Held des 1. FC Kaiserslautern seinen 80.Geburtstag. Von der legendären deutschen Mannschaft, die am 4. Juli 1954 im WM-Finale Ungarn mit 3:2 bezwang, leben neben Eckel nur noch sein Vereinskamerad Ottmar Walter und Hans Schäfer vom 1. FC Köln.
Mit zunehmendem Alter hat sich Eckels Status geändert. „Früher bin ich als Jüngster hinter den anderen hergelaufen und war im Kader eher ein Mitläufer. Heute bin ich der einzige noch Aktive, und da kommt jetzt viel Verantwortung auf mich zu.“
Aktiv und agil im Rentenalter: So präsentierte sich der 80-Jährige auch immer wieder in Pforzheim. Bis 2007 war er vielumjubelter Stammgast bei den Hallenturnieren des Kickers Club ’72 – nicht als Trainer, Betreuer oder Ehrengast, sondern mit vollem Einsatz auf dem harten Hallenboden: „Solange mir Fußball noch Spaß macht, spiele ich weiter“, ließ der Weltmeister von 1954 damals wissen.
Bis 2010 konnte er das Versprechen bei Fußball-, Tennis- und Tischtennisspielen einhalten, ehe ihn eine Knie-Operation stoppte. Seitdem hält sich der Jubilar zurück – und hegt doch noch sportliche Pläne: „Ich merke, dass mir etwas fehlt. Ich werde mir eine meiner Sportarten raussuchen und mich darauf konzentrieren“, verriet er jüngst dem Magazin „Insider.“
Mit einer großen Gala im Fritz-Walter-Stadion würdigt der FCK Eckel heute. Ottmar Walter und Schäfer werden dem Jubilar aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich gratulieren können. Dafür kommt aus Ungarn sein ehemaliger Gegenspieler Jenö Buzansky, der fünf Jahre älter als Eckel ist.
Wegen seiner – bis heute – schlanken Gestalt, enormen Schnelligkeit und großen Ausdauer nannte man Eckel einst Windhund. Das Attribut „Held von Bern“ lehnt er für seine Person ab. „Das ist total übertrieben – ich bin doch ein ganz normaler Mensch geblieben“, grummelt er dann eher verlegen.
Wo er 1932 geboren wurde, da lebt der bodenständige Eckel mit seiner Frau Hannelore noch heute – im pfälzischen Vogelbach bei Landstuhl. Ruhestand, das kennt der gelernte Werkzeugmacher nicht. Als Nachfolger des 2002 gestorbenen WM-Kapitäns Fritz Walter ist er seit 1997 Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung.
„Ich bin meinen ganzen Weg mit Fritz Walter gegangen. Da war mir dieses Amt vorbestimmt“, sagt Eckel. In rund 100 deutschen Strafanstalten war er zu Resozialisierungs-Gesprächen mit meist jugendlichen Straftätern.
Was waren die Gründe für das Wunder von Bern? Immer wieder muss er diese Frage beantworten. Und immer gibt er diese Antwort: „Kameradschaft. Gemeinschaftsgefühl“. Das waren die großen Tugenden, die Bundestrainer Sepp Herberger predigte. Er gab auch die Parole aus: „Wir schaffen das gemeinsam“ – und daran habe sich das Team gehalten. Herberger machte aus dem Stürmer Eckel einen rechten Außenläufer – und gab Fritz Walter damit einen fast kongenialen Hintermann. „Wir haben uns fast blind verstanden“, erinnert sich Eckel.
Viele Fußballfans kennen Eckel nur noch vom Hörensagen – oder vom Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg: Dort wurde 2007 der Eingang zur Westtribüne in „Horst-Eckel-Tor“ getauft. Ehrenmitglied des Vereins ist er seit 1999. Für seinen Einsatz auf sozialem Gebiet erhielt der Weltmeister von 1954 auch das Große Bundesverdienstkreuz. Rolf Sperber und Simon Walter
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