Wertvolle Fußballstars der Lüfte aus Königsbach-Stein
Königsbach-Stein. Bei ihm werden Brieftauben der Spitzenklasse wie Fußballstars genannt: Züchter Andreas Drapa aus Stein ist seit 1998 enorm erfolgreich.
Wer so viele nationale Wettbewerbe gewonnen und auch noch Olympia-Titel eingeheimst hat, wie Brieftaubenzüchter Andreas Drapa (46) aus Stein, muss ein Erfolgsrezept haben. In Züchterkreisen bekannt ist Drapa seit Jahren. Dass er darüber hinaus auch einem größeren Publikum zunehmend ein Begriff wird, liegt zu einem guten Teil am World Wide Web und dem Einsatz von Drapas Tauben rund um den Globus. Galt das Brieftaubenzüchten früher als Allerweltsfreizeitbeschäftigung und beispielsweise im Vergleich zu Tennis oder Golf als Sportart für das gemeine Volk, so hat seit Jahren ein Wandel eingesetzt.
Das liegt auch daran, dass sich mit dem kleinen Federvieh eine ganze Menge Geld verdienen lässt. Nicht von ungefähr ist einer von Drapas Besten nach dem Weltfußballer Messi. Ein anderes Erfolgsexemplar heißt beispielsweise Pokerface. Ein Hinweis auf den Glücksspielcharakter, der mittlerweile Einzug in den internationalen Profisport gehalten hat. Längst sind es nicht nur das klassische Million-Dollar-Race in Südafrika oder Flugwettbewerbe bei den reichen Ölscheichs in Dubai, die die Aussichten auf einen satten Gewinn stimulieren. Seit in China ökonomisch die Post ab geht, kennt die Wettleidenschaft der Asiaten keine Grenzen mehr. Preisgelder erreichen locker eine Höhe von einer Million Euro. Und im Internet können für eine erfolgreiche Taube auch schon mal 250000 Euro erzielt werden.
Erst kürzlich war mit Brieftauben aus Drapas Zucht mal wieder jemand so richtig erfolgreich und sahnte als Preisgeld einen Bentley und einen Jaguar bei einem Wettbewerb in China ab. Doch Andreas Drapa mahnt zur Vorsicht. Bei den Wettbewerben werde allzu leichtfertig über die grandiosen Siege und die hohen Preisgelder philosophiert. Doch die Wettbewerbe hätten auch eine weniger traumhafte Seite. Wer auf die Preise scharf sei, müsse jedes startende Tier gegen eine Registrierungs- und Aktivierungsgebühr anmelden. Da könnten schnell mehrere tausend Euro zusammenkommen. Und natürlich seien die Reisespesen zu berücksichtigen.
Ganz davon abgesehen verschlinge dieses Hobby wahnsinnig viel Zeit. Praktisch gebe es jedes Wochenende rund um den Globus einen Wettbewerb oder ein Rennen. Wobei es insbesondere die Asiaten nicht so genau damit nähmen, ob die Außentemperaturen wirklich geeignet seien für den verantwortungsbewussten Einsatz von Brieftauben. Drapa spielt damit auf Kritik an, die von Tierschützern seit längerem geäußert wird. Diese beklagen, dass bei einigen internationalen Wettflügen zahlreiche Tiere verenden würden. Fatal ist für die Tauben, wenn sie aufgrund des schlechten Wetters die Orientierung verlieren.
Unabhängig davon muss der Besitzer immer damit rechnen, dass Greifvögel sein kostbares Exemplar erbeuten und die wertvolle Taube als wohlschmeckende Morgengabe verspeisen. Hinzu kommen noch Greifvögel der besonderen Art: Die Rede ist vom organisierten Verbrechen. Schon seit Jahren ist in der Fachwelt bekannt, dass es eine regelrechte Flugtauben-Mafia gibt. Anfänglich zielten die Verbrecher darauf ab, die Vögel der Konkurrenz zu töten oder zu verstümmeln, um in den Besitz des Erkennungsringes zu gelangen. Denn diesen kann man über Grenzen hinweg leichter transportieren, als ein lebendes Tier.
Drapa ist schon Opfer einer rumänischen Gang geworden. Die Leute waren für einen Auftraggeber gezielt in seinen Taubenschlag eingedrungen und hatten dutzende Tiere mitgehen lassen. Glücklicherweise waren die Täter recht unbedarft und erkannten Drapas kostbarsten Exemplare nicht. Gleichwohl entstand dem Züchter ein erheblicher Schaden, denn die Tiere verschwanden auf Nimmerwiedersehen in Rumänien. Dass ein Täter vor Gericht tränenreich seine Tat bereute, half dem Züchter nicht wirklich weiter.
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