Wer sein Rad liebt – fährt
Heimsheim/Pforzheim. Gerd Schnaufer aus Heimsheim radelt täglich zur Arbeit in Pforzheim. Auch Rennen und Urlaub auf dem Tandem gehören zu seinem Programm.
Schlechtes Wetter gibt es nicht. Wenn diese Devise auf jemanden zutrifft, dann auf Gerd Schnaufer aus Heimsheim. Tagein, tagaus fährt der 51-Jährige morgens mit seinem Fahrrad zur Arbeit nach Pforzheim und abends wieder zurück. Selbst die Gefrierschrank-Temperaturen der vergangenen Wochen und verschneite Straßen können den Radsport-Fan nicht stoppen. „Das ist alles eine Frage der Gewohnheit“, sagt er bescheiden. Gegen die Kälte zieht er mehrere Lagen übereinander an und bei Glatteis benutzt er Spikes. „Ich brauche einfach die frische Luft.“
„Man bekommt den Kopf frei“
Das war nicht immer so: Vor allem früher nicht, als der Industriemechaniker noch geraucht hat. Auch nicht, als er das Laster 1997 aufgegeben hat. Erst als er langsam immer fülliger wurde, stieg er aufs Rad – und war sofort begeistert. Die Bewegung an der frischen Luft gefiel ihm so gut, dass er schon kurze Zeit später für die Fahrten zur Arbeit aufs Auto verzichtete. Damals musste er nur zehn Kilometer bis nach Mönsheim fahren. Mit dem Wechsel nach Pforzheim verlängerte sich die Anfahrt auf 25 Kilometer. Aber der verheiratete Familienvater dachte nicht daran, auf die tägliche Radtour zu verzichten. „Man bekommt den Kopf frei, das ist eine tolle Sache.“ So kamen im vergangenen Jahr 10000 Kilometer zusammen – nur für die geschäftlichen Fahrten.
Aber was so ein echter Extrem-Radler ist, dem reicht das noch lange nicht. Gerd Schnaufer ist seit zehn Jahren beim „Mountainbike Racing Team“ aktiv und nimmt an zahlreichen Rennen teil. Sei es nun der „Ice Rider“ in Schömberg, bei dem er seine Geschicklichkeit auf Eis und Matsch beweisen kann. „Das macht Spaß, auch wenn man hinterher total verdreckt ist“, erzählt er in seiner ruhigen Art. Besonders gern steigt er beim Rennen in Albstadt im Juli in die Pedale, bei dem er auf 86 Kilometern rund 1600 Höhenmeter bewältigen muss. Ab März wird er für diese Einsätze wieder jeden Samstag trainieren.
Per Rad durch die Alpen
Mit seiner Rad-Begeisterung konnte der 51-Jährige auch seine Frau anstecken. Für einen Urlaub pro Jahr steigen die beiden aufs Tandem. Dann radeln sie über Berg und Tal an den Comer See oder den Lago Maggiore. „Flache Strecken finden wir eher langweilig“, meint er schmunzelnd. Dieses Jahr soll es durch die französischen See-Alpen in Richtung Nizza gehen. Rund 900 Kilometer von Basel an die Côte d’Azur liegen vor ihnen – darauf freut er sich jetzt schon. „Man muss nicht gleich die Welt umrunden“, meint er. Eine schöne Tour pro Jahr reicht, um ihn glücklich zu machen.
Ein angenehmer Nebeneffekt des Dauer-Radelns: Auf ein zweites Auto kann Familie Schnaufer verzichten. Dafür ist in der Garage ein mittelgroßer Radfuhrpark untergebracht. Da ist sein Mountainbike mit modernster Technik, das er aber nur bei den Rennen fährt. „Für alle anderen Touren wäre es zu schade“, so Schnaufer. Dann natürlich sein Rad für die Fahrten zur Arbeit und zwei ältere Mountainbikes. Außerdem gibt es noch ein Rennrad, das Tandem und ein altes Rad, das der 51-Jährige nur zum Einkaufen nutzt. „Das ist so alt, dass ich es nicht abschließen muss“, erklärt er den Vorteil des Vehikels. Ins Auto steigt er nur noch, wenn er einmal pro Monat Getränke einkauft – und für eine Urlaubsfahrt pro Jahr. Und er hat festgestellt: „Ich bin nicht mehr wild darauf.“ Viel lieber schwingt er sich aufs Rad und tritt gut gelaunt in die Pedale.
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