Böller-Unfälle ziehen immer weitere Kreise

Enzkreis. Die Berichterstattung der „Pforzheimer Zeitung“ über die Böller-Unfälle eines Kapfenhardters und eines Büchenbronners an Silvester hat den Stein ins Rollen gebracht: Nach einem Mann aus Eppingen (Kraichgau) meldete sich gestern auch der 28-jährige Remchinger Daniel Eisenreich bei der PZ: „Mir ist das gleiche Schicksal wiederfahren!“

Alle vier Betroffenen schildern übereinstimmend, dass ihre Feuerwerksbatterien nach dem Anzünden ohne jegliche Verzögerung explodiert sind. Alle vier Feuerwerksbatterien stammten vom selben Hersteller – wenngleich es sich um verschiedene Modelle handelte. Und alle vier Opfer trugen mehr oder weniger schwere Gesichts- und Augenverletzungen davon. Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde bei der Pforzheimer Staatsanwaltschaft bisher aber nur in einem Fall gestellt (die PZ berichtete).

„Bundesweite Dimension“

Auch die Staatsanwaltschaft Offenburg ermittelt in einem Fall wegen fahrlässiger Körperverletzung. Hier seien in der Silvesternacht zwei Menschen von einer Feuerwerksbatterie – selber Hersteller, selber Ablauf – verletzt worden. Ein Opfer droht ein Auge zu verlieren. Wie auch in Pforzheim denke man in Offenburg darüber nach, den Fall an die Staatsanwaltschaft Wuppertal abzugeben, wo der Anbieter des Feuerwerks seinen Sitz hat, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Offenburg, Martin Seifert: „Das Verfahren hat eine bundesweite Dimension angenommen.“ Der Polizei in Offenburg sind unter anderem weitere Unfälle aus Rastatt und Freudenstadt mit Feuerwerken derselben Marke nach dem gleichen Muster bekannt, wie sie gestern der PZ bestätigte.

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin – eine von europaweit 13 Einrichtungen, die Silvesterfeuerwerk prüfen und für den deutschen Markt zulassen darf – hatte bereits vergangene Woche auf Nachfrage der PZ erklärt, vom betroffenen Feuerwerkshersteller über Probleme informiert worden zu sein. Derzeit liefen Tests mit den verschiedenen Baumustern der Marke, so BAM-Sprecherin Ulrike Rockland.

Das Feuerwerksunternehmen selbst wollte sich gestern telefonisch nicht zu den Unfällen äußern. Von der Zentrale in Wuppertal wurde die PZ-Anfrage an ein Vertriebsbüro verwiesen. Dort bat man um schriftliche Einreichung der Fragen, die man dann zur Beantwortung in die Zentrale nach Wuppertal weiterleiten wolle. Unter anderem wollte die PZ wissen, welche Schritte das Unternehmen plant, um Verbraucher vor möglichen weiteren Unfällen zu schützen. Einen Warnhinweis auf der Homepage des Herstellers sucht man bisher jedenfalls vergebens.

Dass das Feuerwerk auch fünf Wochen nach Silvester noch ein Thema ist, zeigte gestern die besorgte Anfrage einer Mutter bei der PZ. Die Frau aus Eutingen hatte sich für die Hochzeit ihres Sohnes mit Feuerwerkskörpern eingedeckt – mit behördlicher Ausnahmegenehmigung ist der Abschuss möglich – und wollte nun wissen, ob sie zufällig Batterien des betroffenen Herstellers erwischt habe.

Im Klinikum Pforzheim waren laut Sprecherin Susanne Brand in der Neujahrsnacht nur unwesentlich mehr Feuerwerksopfer als in den Vorjahren zu verzeichnen. Die Augenklinik habe zwei schwerere Augenverletzungen behandeln müssen. Eine davon beim Kapfenhardter Theo Hinsberger (die PZ berichtete), eine beim Büchenbronner Timo Vetter.

„Null Chance wegzukommen“

„Ah, da kommt ja schon der Erste!“ Mit diesen Worten sei Vetter kurz nach Mitternacht in der Notaufnahme empfangen worden. Einer der 123 „Power-Effekte“, die laut Werbung bis zu 40 Meter hoch fliegen sollen, hatte sein Gesicht gestreift. „In dem Moment, in dem ich das Feuerzeug an die Zündschnur gehalten habe, ging das Ding los. Das war, als ob man auf einen Lichtschalter gedrückt hätte. Null Chance wegzukommen“, erzählt der 26-Jährige.

Verbrennungen am linken Auge und an der Stirn waren die Folge. „Im Krankenhaus mussten sie mir Splitter von der Hornhaut kratzen“, so Vetter, der letztendlich glimpflich davonkam. Nach knapp drei Wochen waren seine Verletzungen wieder so gut wie verheilt. Aber: „Die Ärzte haben gesagt, dass ich richtig, richtig Glück hatte, dass ich mein Auge nicht verloren habe.“

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